Das Wort „Homosexual“ wurde erstmals vom Schriftsteller Karl Maria Kertbeny niedergeschrieben. Hierbei handelt es sich um eine hybride Wortneubildung aus den griechischen Worten „homo“, welches so viel bedeutet wie „gleich“ und aus dem Wort „sexus“ dessen Übersetzung „Geschlecht“ bedeutet. So kann man also „homosexuell“ frei übersetzen mit „gleiches Geschlecht“. Erstmals wurde der Begriff Homosexual im Jahre 1968 zu Papier gebracht. Unter Homosexualität verstehen wir also das Begehren eines Partners des gleichen Geschlechtes. Hierbei wird zwischen einem männlichen und einem weiblichen Paar unterschieden. Das männliche Liebespaar bezeichnet sich meist als schwul und das weibliche Paar als lesbisch. Oftmals werden die Worte schwul und lesbisch von der Allgemeinheit als Schimpfwort für unliebsame Mitmenschen verwendet, um sich abwertend über die gleichgeschlechtlichen Liebespaare zu äußern.
Die Geschichte und die Homosexualität
Anfang des 13. Jahrhunderts, bis zur Zeit der Aufklärung, wurde der Analverkehr zwischen zwei Männern in weiten Teilen Europas als „Sodomie“ bezeichnet. Er wurde durch Gesetze und Bestrafungen, wie dem Scheiterhaufen oder Galgen, geregelt. In der Zeit des Spätmittelalters wurden hunderte Sodomie-Verdächtige gejagt und hingerichtet. Selbst in der Neuzeit wurde Homosexualität als angeborene neuropsychopatische Störung gesehen, und homosexuelle Menschen wurden als unzurechnungsfähig erklärt. Allerdings wurden viele Homosexuelle nicht mehr verfolgt und hingerichtet. Vielmehr nahm man an, dass Homosexualität nicht ansteckend sei – dies meinten einige Gerichtsmediziner dieser Zeitepoche, bei zahllosen Obduktionen homosexueller Menschen, herausgefunden zu haben. Die letzte große Verfolgung der Homosexuellen fand zur Zeit des Nationalsozialismus statt. Viele schwule Männer wurden in Konzentrationslager verschleppt und ermordet. Eine genaue Zahl lässt sich kaum festlegen; man geht von ca. 10.000 bis 15.000 Menschen aus, wovon etwa 53% in diesen Lagern ums Leben kamen.
Die schrittweise Entwicklung der Homosexualität
Im Laufe seines Lebens durchlebt der Mensch eine Vielzahl von Entwicklungen. Betrachten wir die Pubertät einmal genauer, so dient sie der sexuellen Ausrichtung des Menschen. Man betrachtet sie auch mitunter als sexuelle Testphase. Nicht selten kommt es vor, dass sich der jugendliche Mensch im Rahmen der Pubertät zurückzieht, und meist das intensive Vertrauensverhältnis bricht, das er seinen Eltern bisher entgegenbrachte. Nicht nur der Körper entwickelt sich während dieser Zeit des Wandels rasant und sowohl die Psyche, als auch die Bewertung moralischer Denkweisen ändern sich. Der Drang etwas zu erleben und auszuprobieren wird immer größer und wächst schier ins Unermessliche. Auffallend ist hier, dass sich während dieser Zeit viele Frauen untereinander oftmals näher kommen. So umarmt man sich, kuschelt miteinander oder küsst sogar die beste Freundin. Dies dient nicht nur der sozialen Einordnung untereinander, sondern auch der sexuellen Entwicklung. Männer haben es hier etwas schwerer, da oftmals etwas mehr Nähe zum anderen Geschlecht zu einer negativen Reaktion des anderen führt. Dies liegt meist an dem Denken des Umfeldes und das was wir im Fernsehen sehen. In vielen Fernsehsendungen und Filmen sehen wir meist nur Frauen die untereinander Zärtlichkeiten austauschen. Männer dürfen nicht sensibel und einfühlsam sein – dies ist der Irrglaube der Allgemeinheit, und dieses Bild können wir nur sehr selten sehen.
Der letzte Schritt in die Homosexualität – das Coming-Out
Hat ein Mann oder eine Frau das Interesse am eigenen Geschlecht entdeckt, so beginnt der Prozess des Coming-Out. Man unterscheidet zwei Phasen, das „innere“ Coming-Out und das „äußere“ Coming-Out. Betrachten wir zunächst das innere Coming-Out. Diese Phase beginnt bei den meisten homosexuellen Menschen mit der Pubertät. Dieser Prozess kann über mehrere Jahre dauern. In dieser Phase der Entwicklung wird dem Menschen bewusst, dass er kein Interesse am anderen Geschlecht hat. Vielmehr nur am eigenen. Die Ansichten der Allgemeinheit, die Angst vor der eigenen „Anomalität“ und die Reaktionen des Umfeldes machen es dem Menschen schwer sich selbst einzugestehen homosexuell zu sein. Man hegt Selbstzweifel und versucht oft krampfhaft sich doch noch mit der Liebe zum anderen Geschlecht anzufreunden. Dies kann, besonderes junge Homosexuelle, sogar bis in den Suizid treiben. Nachdem der Mann oder die Frau diese Phase – mehr oder weniger – durchlebt, wird irgendwann die Stelle kommen an der sich der Mensch selbst seiner Homosexualität bewusst wird. Mit dem Bewusstsein homosexuell zu sein endet das innere Coming-Out, und das äußere Coming-Out beginnt. Dies wird meist von vielen Menschen, die sich nicht mit der Homosexualität auseinandergesetzt haben, als Coming-Out bezeichnet, ohne die vorrangehende Phase zu berücksichtigen. Beim äußeren Coming-Out geht es darum, wie der Name es schon sagt, seine Homosexualität nach außen dringen zu lassen und der Umwelt mitzuteilen. Meist führt der erste Schritt hierbei zur eigenen Familie, bevor man auf seine Freunde zugeht. Wenn man beide Phasen durchlebt hat, und zu seiner Homosexualität in der Öffentlichkeit steht, dann hatte man sein offizielles Coming-Out.
Aufklärung und Demonstration – der Christopher-Street-Day (CSD)
Wenn man an Homosexualität denkt, dann muss man meist unweigerlich auch an den Christopher-Street-Day (kurz CSD) denken. Viele kennen nicht die Geschichte und den Ursprung dieses Tages, was sehr bedauerlich ist. Am 28. Juni 1969 fand in einer Bar, dem „Stonewall Inn“ in der New Yorker Christopher Street im Stadtviertel „Greenwich Village“, der sogenannte „Stonewall-Aufstand“ statt. Zu dieser Zeit war es noch normal, dass die Polizei gewalttätige Razzien in Kneipen mit homosexuellen Gästen durchführte. Es kam im Anschluss dieser gewalttätigen Razzien der Polizei zu tagelangen Straßenschlachten zwischen Homosexuellen und den Ordnungshütern. Nach diesem Aufstand wurde das „Christopher Street Liberation Day Committee“ gegründet, um an den Aufstand an diesem Tag zu erinnern. Seitdem feiern die Schwulen und Lesben an jedem letzten Samstag des Junis diesen Tag mit einem Straßenumzug, damit an dieses Ereignis erinnert wird. Dieser Tag wird in vielen Großstädten rund um den Globus zelebriert. Hierzulande kann man in Köln und in Berlin den größten Umzug erleben. Nachdem die Demonstrationen immer mehr Anhänger gefunden hatten, so begann man den Umzug zur Aufklärung der Missstände auszuweiten. Daher wird beispielsweise jedes Jahr während des CSDs eine Anti-AIDS-Champagne durchgeführt. Es werden kostenlose Kondome verschenkt, damit über die Gefahren von AIDS, welches am häufigsten unter schwulen Männern verbreitet ist, aufgeklärt wird.